Gatekeeper in der Medienwirtschaft
Ein Doppelinterview mit Katharina Borchert (”Westeins”) und Stefan Niggemeier (”Bildblog”) in der taz, u.a. zu den neuen “Gatekeepern” im Internet, ob es die überhaupt braucht und zur Frage ob Massenmedien noch Zukunft haben …
[taz] Bernd Kundrun, der Vorstandvorsitzende von Gruner + Jahr, spricht bereits vom Web 3.0 – einem Web, in dem das unüberschaubare Angebot aus der Version 2.0 durch Gatekeeper stark strukturiert ist.
Niggemeier: Ich glaube eher, dass die Leute lernen, sich nicht auf Gatekeeper zu verlassen, sondern sich ihre Medien selbst zusammenbasteln: ihren Lieblingskolumnisten aus der Zeitung zusammen mit ihrem Lieblingsblogger. Gatekeeper sind vor allem wichtig für Leute, die nicht mit dem Internet aufwachsen und sich an der alten Ordnung orientieren. Die zählen darauf, dass es von den klassischen Gatekeepern, wie es bislang die Zeitungen oder Fernsehsender sind, Pendants im Internet geben wird.
Borchert: Die meisten der Medienmarken, die es jetzt gibt, werden meiner Meinung nach in zehn Jahren nicht verschwunden sein. Je höher die Medienkompetenz der Leute ist – und die steigt unaufhörlich -, desto mehr werden die Marken aber an Relevanz verlieren. Ich schätze, dass Glaubwürdigkeit von Inhalten dann vor allem an einzelnen Personen und Autoren festgemacht wird.
Ist ein Problem für die Medienwirtschaft, nicht wahr – auch wenn ich geradezu printmedienreferenziell sehr viel aus der taz zitiert habe …
Lyssa spricht dann das aus was das Geschäftsmodell von Zeitungen sein muss:
Borchert: Die Zeitungen müssen aber erst noch kapieren, dass ihre Kernkompetenz nicht ist, schwarze Farbe auf Papier zu schmeißen. Reine Masse zu produzieren, das macht mittlerweile das Internet. Ich erwarte vor allem von den Zeitungen schon noch, dass sie ihre Schwerpunktsetzung und auch ihre Arbeitsweisen verändern. Nur Agenturmeldungen abzudrucken, reicht nicht mehr. Die habe ich bis zum nächsten Morgen schon im Internet gelesen, im Radio gehört und im Fernsehen gesehen. Von den Zeitungen erwarte ich dann gut recherchierte Hintergrundberichterstattung.


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