Internettelefonie gefährdet UMTS-Geschäft
Internettelefonie gefährdet UMTS-Geschäft
Mobilfunkbetreibern könnten durch neue Software erhebliche Umsatzeinbußen drohen. Auch klassische Telefonanlagen könnten bald der Vergangenheit angehören.
Telefonieren über das Internet, das so genannte Voice over IP (VoIP), könnte der Sprachtelefonie im neuen UMTS-Handynetz erhebliche Konkurrenz machen. Das geht aus einer Studie hervor, die die Unternehmensberatung Mummert am Feitag in Hamburg vorstellte. Demnach würden den UMTS-Mobilfunkbetreibern fast 60 Prozent Umsatzeinbußen durch eine neue Software drohen, mit der Internet-Technologie auf den Mobilfunk installiert werden könnte.
Drittanbieter arbeiten der Studie zufolge an einer Software, mit der sich Sprache als Datenpaket versenden lasse. Diese Software basiere auf der UMTS-Technologie für Mobilfunk. Bislang würden Sprachverbindungen im Mobilfunk über teure Sprechverbindungen abgerechnet, sagte Mummert-Sprecher Jörg Forthmann der Netzeitung.
Günstigere Internettelefonie
Mittels der Software, die sich auf internetfähige Handys und Notebooks installieren lasse, habe der Kunde künftig nicht nur zu teuren Sprachkanälen Zugang, sondern könne sein Gespäch als Datenpaket versenden. Der Vorteil für die Kunden bestehe darin, dass die Umwandlung von Sprache als Datenpaket deutlich günstiger sei als ein Telefonat auf dem Sprachkanal des Handys. Dazu werde beispielsweise eine UMTS-Datenkarte im Handy oder Notebook benötigt.
UMTS-Anbieter berechneten für die Sprachübertragung über das neue Netz etwa 29 Cent pro Minute. Werde Sprache dagegen als Datenpaket gesendet, beträgen die Minutenpreise hingegen nur etwa zwölf Cent, errechneten die Experten von Mummert. Nach Angaben von Mummert suchten die Netzwerkbetreiber nach Möglichkeiten, VoIP über UMTS zu verhindern. Darüber, wann die Software für das paketvermittelte mobile Telefonieren marktfähig sei, oder welche Firmen die Software für die günstigen Tarife entwickeln, machte die Unternehmensberatung keine Angaben.
Festnetztelefone bald Vergangenheit
Klassische Festnetztelefone würden zunehmend durch VoIP-Telefone ersetzt, hieß es weiter. Technisch sei es nicht mehr nötig, Telefon- und Datennetz zu trennen. Durch Verwendung derselben Hardware könnten beliebig viele VoIP-Anschlüsse an ein Netzwerk angeschlossen werden. Zusätzliche Kosten für Wartungsarbeiten einer Telefonanlage entfielen, da die Netztechnik vom IT-Dienstleister mitbetreut werden könne, hieß es in der Studie weiter.
Darüber hinaus betrage der Anschaffungspreis einer VoIP-basierten Telekommunikationsanlage nur die Hälfte einer klassischen Telefonanlage. Einsparungen von bis zu 30 Prozent seien mit VoIP auch für kleine Unternehmen möglich, lautet die Einschätzung von Mummert.
VoIP-Marktvolumen verdreifacht
Auf Komplettangebote setze etwa T-Com, die Festnetztochter der Deutschen Telekom |DTE 14,35 0,91%| . Bis 2012 solle die gesamte Sprachtelefonie in Deutschland über Datenleitungen abgewickelt werden, hatte das Unternehmen jüngst angekündigt. Nach Einschätzung von Mummert werde VoIP mittelfristig bei den meisten Unternehmen den ISDN-Primäranschluss ersetzen.
Weltweit hat sich der Markt für Datentelefonie der Studie zufolge in den vergangenen vier Jahren von drei auf neun Milliarden US-Dollar verdreifacht. Allerdings nutzen demnach bisher nur 13 Prozent der deutschen Unternehmen VoIP.


